Meldungen

Zum 300. Jubiläum des Karlsruhers Theaters …

… wurde in den vergangenen Wochen auch Friedrich Weinbrenner häufig erwähnt, der ja 1807/08 das erste eigene Gebäude hierfür entworfen hatte, womit er seinen Ruf als führender Theaterarchitekt und -theoretiker begründete. Von da an plante und baute er Bühnenhäuser in mehreren Städten.
Viel erfährt man hierüber in den Nachrichten nicht, auch nicht über den nach dem Krieg nicht wiederhergestellten, sondern abgerissenen Nachfolgebau von Weinbrenners Schüler Heinrich Hübsch. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Défilée der Politik beim Festakt und auf den aktuellen Plänen zur Sanierung des jetzigen Staatstheaters von 1975. Das ist verständlich.
Ob diese Pläne allerdings „auch Weinbrenner und Hübsch […] gefreut“ hätten, wie in der Berichterstattung zum Jubiläum angenommen wurde, ist fraglich. Nicht, weil sie sich keine zeltartigen Formen hätten vorstellen können. Im Gegenteil, ähnlich frei geschwungene Dachflächen finden sich schon in Weinbrenners Lehre. Dort aber ordneten sie sich einem hochkomplexen Gedankengebäude ein, das vom Raum als Spiegelbild des Menschen, von der Sprache der Symbole und Farben, vom sozialen Zusammenhang und mehr getragen wurde. Das Theater war deshalb in erster Linie ein Haus, aber ein besonders wichtiges und schönes. Wie die Brücke hiervon zu den aktuellen Plänen aussehen könnte, die an eine Science-Fiction-Szenerie erinnern, ist nicht leicht zu erkennen.

 

 

 

Ein gutes neues Jahr für Baden-Badens Kurhaus 

Beim Neujahrsempfang der Bäder- und Kurverwaltung an diesem Sonntag gab es viel Prominenz, aber der wirkliche Hauptakteur war der architektonische Rahmen, Weinbrenners Konversationshaus. Es beweist, wie wenig Dekoration und Aufwand es braucht, wenn ein Gebäude über 200 Jahre gepflegt und verständig weitergeführt und -genutzt wird. Es strahlt von sich aus Kultur und Verläßlichkeit aus. Das einzige Ornament war das stilisierte Bild des Kurhauses selbst: auf Wänden, auf der Einladung und sogar der Briefmarke.
Geschäftsführer Steffen Ratzel versprach in seinem Grußwort, diese Tradition auch in diesem Jahr bewußt fortzuschreiben, und erwähnte sogar einen scheinbar nebensächlichen Baustein, der umgehend wiederhergestellt werden soll: ein Kandelaber vor der linken Kurhausfront wurde vor kurzem von einem LKW umgefahren und wird nun nachgegossen.

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Neues vom Karlsruher Markt-/Rummelplatz

Was für ein Coup! In diesem Jahr steht ein Riesenrad auf dem Karlsruher Marktplatz, zwischen Stadtkirche und Rathaus. Die Presse ist weitgehend aus dem Häuschen, und es soll auch niemandem der Spaß verdorben werden. Warum soll man auch nicht ein Riesenrad auf den Marktplatz stellen? Nun, eine Antwort darauf aber könnte man schon geben: Weil durch solche Aktionen in Vergessenheit gerät, was für ein Ort das ist – und was überhaupt eine Stadt ist, dass es nicht ohne Folgen bleibt, wenn man die Mitte der Stadt immer selbstverständlicher in einen Freizeitpark verwandelt.
Von anderer Seite erhielten wir dazu diese Mitteilung: „Vom vorderen Bereich meiner Terrasse aus sehe ich den Turm der Stadtkirche, der nachts angestrahlt ist. Ich wohne seit fast 40 Jahren hier und freue mich immer noch an diesem schönen Anblick, aber als ich vorhin raus ging, blieb mir doch der Atem weg: Der Turm ist jetzt PINKFARBEN angestrahlt!! Weinbrenner in PINK! Man glaubt es nicht.“

Vorstand bestätigt, Aufgaben definiert

Bei der gestrigen ordentlichen Mitgliederversammlung ist der bisherige Vorstand einstimmig wiedergewählt worden: Vorsitzender Dr. Ulrich Maximilian Schumann, Schriftführer Dr. Dr. Hans Peter Gruber und Rechnungsführer Hans Robert Hiegel. Das bestimmende Thema der übrigen Programmpunkte war der aktuelle Umgang mit dem Erbe Friedrich Weinbrenners, der im Wesentlichen – und im Besonderen mit Blick auf die Umgestaltung der Stadtmitte Karlsruhes – als kritisch zu bezeichnen ist. Die Versammlung entwickelte einen ganzen Katalog von Strategien, mit denen die Gesellschaft auf die Herausforderung einer aggressiven Gefährdung von Weinbrenners Hinterlassenschaft reagieren will. Der Vorstand erhielt den Auftrag, hieraus konkrete Konzepte zu entwickeln und sie baldmöglichst vorzustellen.

Jahresversammlung an diesem Freitag

Um 14 Uhr trifft sich die Weinbrenner-Gesellschaft zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung. Und auch wenn ein neuer Vorstand gewählt wird, sind interessierte Nichtmitglieder dabei willkommen. Das Treffen findet an diesem Freitag, dem 7. 12., in der ehemaligen Meierei des Schlosses Rüppurr statt, dem roten Haus an der Rastatter Straße 17, 76199 Karlsruhe, direkt an der S-Bahn-Haltestelle, und wird bis etwa 16 Uhr dauern.

(Karlsruher) „Marktplatz der Zukunft“?

Das kann nicht wahr sein – und wird es auch nicht. Denn so wird der angekündigte „Marktplatz der Zukunft“ natürlich nicht aussehen. Das Schaubild ist von einer so dilettantischen Machart, dass es der Wirklichkeit schon auf den ersten Blick nicht entspricht und also auch nicht ernst genommen werden kann.

Die Perspektive ist so miserabel konstruiert, dass die geräumige Platzfolge wie ein langer Korridor erscheint und nahe Objekte, wie die Pyramide, aus dem Blick verschwinden. Und dass die parallelen Linien im vorderen Pflaster in einem unverständlichen Winkel abknicken, als sei ein Hammer von oben darauf heruntergefahren. Und dass die Schatten nach Süden fallen, als ob die Sonne im Norden stünde.

Peinlich. Wie kann man so etwas der Öffentlichkeit präsentieren? Und wie soll man die Planung beurteilen, wenn das Schaubild nicht einmal den Raum annähernd korrekt wiedergibt?

Der größte Fehler aber ist gewollt: Die Gebäude darum herum werden ausgeblendet, als wären sie unwichtig. Ohne Farbe und ohne Material stehen sie da wie Gespenster. So können dann auch die dürren Minifontänen und das beliebige, unruhige Pflaster weniger fade aussehen und sich weniger mit dem Umherstehenden reiben. Und wenn man sie sich ganz wegdenken würde, könnte das ein Alltagsplatz in einem Neubauviertel sein – mit anspruchslosen Holzbänken, Lichtmasten für den Bolzplatz und einer Wasserplantsche für die Kinder. „So soll der zentrale Platz der Stadt in Zukunft aussehen.“ Mehr als ein Fragezeichen wäre nach diesem Satz angebracht gewesen.

Ein Bahnhof in originalem Klassizismus?

Ja, das gibt es noch, und durch einen erfreulichen Kontakt öffneten sich die Türen zu einem außergewöhnlichen Bauwerk. Es steht im Kölner Stadtteil Müngersdorf und ist der älteste noch erhaltene Bahnhof Deutschlands. Gebaut wurde es 1839 und im authentischen Klassizismus aus dem Umkreis des preußischen Staatsarchitekten Karl Friedrich Schinkel, und noch zu dessen Lebzeiten, aber stilistisch auch nicht weit entfernt von der Weinbrenner-Schule.
Entsprechend interessant war die Führung durch Elisabeth Spiegel vom Förderkreis, der die Instandsetzung und Neunutzung des Bahnhofs Belvedere vorantreibt. Dabei kommt immer wieder Neues zur Bautechnik und Ausstattung zum Vorschein, und einiges davon kann auch ein Licht auf die Bauten aus der Weinbrenner-Schule werfen.
Schon allein deshalb werden wir den Kontakt weiterführen und versuchen, dabei das Eine oder Andere aus unseren Erfahrungen beizutragen.
Hier der Link zu Förderkreis und Gebäude:
https://www.bahnhof-belvedere.de/

 

  

Kleine Leuchten

Die Beleuchtung des Karlsruher Marktplatzes entwickelt sich mehr und mehr zum Stein des Anstoßes an den laufenden Umgestaltungen allgemein. Denn die Bürgerinitiative „Ja zur Kombilösung“ hat nun nochmals die Erhaltung der „Schinkel-Leuchten“ in die Diskussion gebracht, um die geplanten Flutlichtmasten zu verhindern; siehe beiliegenden Artikel aus den BNN. Nun sind wir die Friedrich-Weinbrenner- und nicht die Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft, aber natürlich passen in Weinbrenners Hauptwerk die Entwürfe des preußischen Zeitgenossen ungleich besser als das, was dem Platz nun droht. Hätte Weinbrenner Leuchten entworfen, würden sie genau so oder ähnlich aussehen, in Formen und Proportionen. Damit könnten die Schinkelleuchten dem Karlsruher Marktplatz wieder etwas von seiner historischen Dimension zurückgeben, die immer weiter ausgehöhlt wird. Und es müßten in Karlsruhe noch eine Reihe von Schinkelleuchten vorhanden sein oder wären bei Bedarf in vielen Varianten nachzukaufen.
Die Gegenargumentation der Stadt, die hier nochmals zitiert wird, ist scheinbar einleuchtend, aber eben nur, wenn man ihre eigene Logik akzeptiert. Die Stadtplanung will hohe Leuchten. Die Schinkelleuchten sind klein. Also kommen sie nicht in Frage. Man will nur wenige Leuchten. Von den Schinkelleuchten bräuchte man mehr als von den Flutlichtmasten. Also kommen sie nicht in Frage. Man will den Platz bespielen. Dann stehen die Schinkelleuchten im Weg. Also kommen sie nicht in Frage.
Verschiebt man aber die Perspektive und stellt diese Ausgangspunkte in Frage, sieht es schnell anders aus. Hier nur erste Ansätze: Schinkelleuchten sind bis zu beträchtlichen Höhen lieferbar, nach kurzer Recherche sogar mit 4,40 Metern. Es gibt sie in zahlreichen Varianten und darunter natürlich auch Wandleuchten, mit denen man sogar Fassaden oder von hier aus Platzteile beleuchten könnte. Und will man denn wirklich, daß der Platz wieder „bespielt“ wird, vielleicht wieder mit Hüpfburgen, Wohnwagenausstellungen und ähnlichem wie bisher? Aber natürlich muß man abwägen, welche Zwänge man sich bis jetzt schon eingehandelt hat, beispielsweise mit den elektrischen Zuleitungen.
Das ist es eben: Man hat den Karlsruher Marktplatz behandelt, als ginge es um irgend eine Ecke der Stadt, den Wettbewerb abgewickelt wie jeden anderen, die Bevölkerung nicht mitgenommen oder sogar um ihre Meinung und Mitwirkung gefragt. Man hat den konsensfähigen, aber eben nicht überragenden Entwurf, der mit den gefälligen, willkürlichen Schmuckbändern punktete, im Wesentlichen übernommen, also auch mit seinen Schwächen, ohne Änderungen zu fordern oder gar nun endlich die zukünftigen Nutzer zu fragen. Man hätte nun noch die Hoffnung haben können, daß das Stadtplanungsamt etwas Gutes daraus macht und die Interessen der Bevölkerung einbringt. Das ist nicht geschehen.
Die wirklichen Hürden sind nicht die technischen, und sie liegen nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart. Es sind bürokratische Hindernisse, im Besonderen die Unfähigkeit, zwischen Wettbewerbsergebnis, späteren Nutzern und eigenen Vorstellungen zu vermitteln. Man weiß offenbar nicht mehr, wie das geht, oder man will es einfach nicht, scheut die Auseinandersetzung mit den verschiedenen beteiligten Seiten und vielleicht auch die Mehrarbeit.

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Wenn sich Laien für Experten ausgeben …

… dann kann aus schwarz weiß werden und aus falsch richtig.
Der Marktplatz würde nach den laufenden Bauarbeiten „so nah an Weinbrenner sein wie seit 120 Jahren nicht mehr“, behauptete Karlsruhes Baubürgermeister Obert in der letzten Gemeinderatssitzung, siehe anhängender Artikel. Wie das – trotz der massiven asymmetrischen U-Bahn-Eingänge, des ortsfremden grauen Granitbelags, der Flutlichtmasten und weiteren Möblierung sowie natürlich der seit 120 Jahren grundlegenden Veränderungen und Zerstörungen der eigentlichen „Weinbrenner-Bauten“? Da stimmt doch etwas nicht, muss sich sagen, wer zwei Augen im Kopf hat.
Daß sich der Baubürgermeister auf die Denkmalpflege bezieht und deren vermeintliche oder auch reale Uneinigkeit zum Freibrief nimmt, ist bezeichnend. Denn die Denkmalpflege entscheidet nicht darüber, ob etwas historisch richtig oder falsch ist, sondern ob es den eigenen Kategorien entspricht. Kein Strohhalm wird ausgelassen, mit dem man eine falsche Argumentation stützen zu können glaubt. Die Angst vor der Geschichte muß immens sein.
Glücklicherweise gibt es auch andere Stimmen im Gemeinderat. Und immerhin rang man sich dazu durch, daß der Marktbrunnen wieder aufgestellt wird. Eine Selbstverständlichkeit? Ein Wunder? Kaum noch zu sagen; man muß mit dem Schlimmsten rechnen.
Über allem aber hängt ein Menetekel: „Wieviel Weinbrenner verträgt die Zukunft?“ Man stelle sich vor, in Berlin würde die Frage gestellt: Wieviel Schinkel verträgt die Zukunft? – und man würde dort mit den Inkunabeln der Stadtgeschichte in einer ähnlichen Weise verfahren wie hier. Dort würde das Feuilleton auf die Barrikaden gehen, und nicht nur dieses. Denn es wäre klar, daß eine Zukunft ohne Schinkel und die Reste der nach wie vor identitätsstiftenden und einfach gut funktionierenden Stadträume traurig aussähe. Die Frage müßte vielmehr lauten: „Wieviel Ignoranz verträgt unsere Kultur?“
In Karlsruhe werden gezielt solche Experten ausgeklammert, die die bestehende Stadt lesen und ein entsprechendes Wissen einbringen könnte, so in den aktuellen, halböffentlichen Gesprächen zur „Zukunftsfähigkeit der Karlsruher City als Einzelhandelsstandort 2030“, organisiert von einer Beratung- und Management-Agentur. Die Stadtplanung trifft auf Laien, ein buntes Wünschdirwas auf knallharte Zwänge. Alle vertreten ihre eigenen und eigennützigen Interessen, niemand die Sache der geschichts- und selbstbewußten Stadt. Laut der bisherigen Berichte vergewissert man sich hier gegenseitig, daß man keine erkennbare Identität braucht – außer einigen Alibi-Objekten. Das bedeutet, daß die Verstümmelung der historischen Stadtteile noch weitergehen wird.

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Erfolgreiches Gespräch am Tag des offenen Denkmals 

Der Andrang in der Meierei des Rüppurrer Schlosses, dem ‚Roten Haus‘, war über den ganzen Tag hinweg riesig, und die Teilnehmenden an unserem Gespräch „Achten und Pflegen“ waren zahlreich und gut aufgelegt. Der Bauhistoriker Karl-Friedrich Rittershofer, Beate Paland vom Historischen Verein Durlach, Robin Cordier von Stadtbild Deutschland, Eberhard Weyrauch von der Bürgerinitiative Ja zur Kombilösung und Ulrich Maximilian Schumann von der Weinbrenner-Gesellschaft diskutierten mit dem Publikum über Fälle, in denen das gebaute Kulturerbe ganz konkret bedroht wird. Schnell spitzte sich das Thema auf den Karlsruher Marktplatz und das Durlacher Torwächterhaus zu. Kein Wunder also, dass es etwas länger dauerte als veranschlagt, aber das ist ja auch ein gutes Zeichen. Für die Anwesenden war der Nachmittag ein gelungener Auftakt für offene Gespräche, die es von nun an öfter geben soll und in denen sich alle Personen und Gruppen, die sich für hiesige Baukultur und Geschichte interessieren, austauschen und vernetzen können.

ToD_Rotes_Haus_Begrüßung

ToD_Rotes_Haus_Gespräch

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