Meldungen

Weinbrenner-Fest in Rotenfels

Zum diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 14. September 2016 hat sich Gaggenau nicht nur ein Thema gesetzt, sondern feierte ein Fest und eines, das uns besonders gefreut hat. Denn es war Friedrich Weinbrenner gewidmet und fand den ganzen Sonntag im Schloss Rotenfels und darum herum statt, in der heutigen Landesakademie und im Schlosspark. Verschiedene lokale Akteure bestritten den Hauptteil, die Weinbrenner-Gesellschaft steuerte einen Vortrag ihres Vorsitzenden bei. Auch der Presse hat es gefallen, wie hier nachzulesen ist.

Vortrag über Friedrich Weinbrenner zum Tag des Denkmals in Bad Rotenfels

Der Musikverein Bad Rotenfeld spielt zum Tag es Denkmals 2016

Das Badische Tagblatt vom 13. September 2016

Das Badische Tagblatt vom 13. September 2016

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Die Badischen Neuesten Nachrichten vom 13. September 2016

Die Badischen Neuesten Nachrichten vom 13. September 2016

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Neue Weinbrenner-Broschüre vorgestellt

„Bauten Friedrich Weinbrenners und seiner Schule in der TechnologieRegion Karlsruhe“ – so heißt die neue 36-seitige Broschüre, die von der TechnologieRegion und dem Kulturamt der Stadt Karlsruhe in Auftrag gegeben wurde. Autor ist Ulrich Maximilian Schumann, Präsident der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft.

Im Kulturamt Karlsruhe wird die neue Broschüre der Technologieregion vorgestellt.

Das Bild von der Vorstellung der Broschüre in Karlsruhe zeigt von links: Dr. Susanne Asche, Kulturamt Karlsruhe, Dr. Ulrich Maximilian Schumann, Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft, Heidrun Haendle, Kulturamt Gaggenau, Prof. Gerd Hager, TechnologieRegion Karlsruhe
Foto: Fränkle, Stadt Karlsruhe

Sie ersetzt das längst vergriffene Faltblatt, in dem Gottfried Leiber einen Rundgang zu Weinbrenners Bauten in Karlsruhe an die Hand gab, und dehnt zugleich den Raum auf die Region zwischen Bruchsal und Bühl, der Südpfalz und dem Kraichgau aus. Dabei war es erklärtes Ziel, daß die Broschüre immer noch in die Jackentasche passt und überall mit hingenommen werden kann.

Bauten Friedrich Weinbrenners und seiner Schule in der TechnologieRegion Karlsruhe

An den Schwerpunkten seiner Tätigkeit, Karlsruhe und Baden-Baden, konzentriert sich die Zusammenstellung auf gesicherte eigene Entwürfe Weinbrenners und solche, die ihm zugeschrieben werden, in den umliegenden Regionen auf Bauten seiner Schüler und Mitarbeitern. Im Austausch mit Forschern und Interessierten vor Ort konnten auch Zuschreibungen geklärt und überraschende Beobachtungen gemacht werden. So muss Weinbrenners Stil derart attraktiv gewesen sein, dass sich selbst der bayerische Staatsarchitekt Friedrich Samuel Schwarze im pfälzischen Ingenheim an ihm orientierte und nicht etwa an seinem eigenen Landsmann und obersten Vorgesetzten Leo von Klenze.

Peinlichen Imageschaden von Karlsruhe abwenden

Bericht vom Ortstermin am Franz-Rohde-Haus

Nicht nur unter den Anwohnern formiert sich zunehmend Kritik gegen die Neubaupläne der Evangelischen Stadtmission in der Karlsruher Dragonerstraße, auch in Fachkreisen wächst die Sorge um den Verlust des denkmalgeschützten Franz-Rohde-Hauses und die Zerstörung eines weitgehend intakten Ensembles. Gerade erschien hierüber ein langer, für Karlsruhe wenig schmeichelhafter Artikel auf der Internetplattform „Baunetz“, weitere Wortmeldungen sollen folgen.

Ortstermin Franz-Rohde-Haus

Ortstermin Franz-Rohde-Haus

Am Mittwoch trafen sich vor Ort Vertreter der Anwohner, der Architektenkammer, der Kult-Gemeinderatsfraktion und der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft, um sich gegenseitig über Hintergründe und Ansichten auszutauschen. Rund dreißig Personen kamen zusammen.

Warum sich nun auch die in Karlsruhe beheimatete, aber internationale Weinbrenner-Gesellschaft für das Objekt aus den 1930er Jahren einsetzt, musste ihr Vorsitzender Ulrich Maximilian Schumann gleich zu Beginn erklären. Er schilderte es als anschaulichen Baustein in der Karlsruhe prägenden, bis heute lebendigen Weinbrenner-Tradition. Otto Bartning sei zwar vor allem als Architekt des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit bekannt, am Franz-Rohde-Haus aber trete seine lebenslange Begeisterung für die sachliche Eleganz des badischen Klassizisten offen zutage. Außerdem befürchte man, dass der leichtfertige Umgang mit den Resten der bedeutenden Baugeschichte Karlsruhes weiter einreißen und damit auch die Bauten Weinbrenners noch stärker in ihrer Substanz bedrohen würde, als dies heute bereits der Fall sei.

In der fast zweistündigen Diskussion kamen die verschiedenen Aspekte des Falls zur Sprache – neben den künstlerischen vor allem politische, rechtliche, planerische, sogar theologische. Die Vertreter der Kult-Fraktion beleuchteten aus ihrer Sicht, wie die Zustimmung der Stadt zum Abriss und ihre eigene Entscheidung zustande kamen, im Gemeinderat für einen Grundstückstausch und die Erhaltung des Gebäudes zu werben. Die Architektenschaft steuerte neben wertvollen Hinweisen zum Verfahren insbesondere Alternativen zu radikalem Abriss und Neubau bei. Die Anwesenden, die das Franz-Rohde-Haus von innen kennen, bescheinigten dem knapp achtzig Jahre alten Gebäude einen ansehnlichen und soliden Zustand. Eine Zustimmung zu den Plänen der Evangelischen Stadtmission fand sich an diesem Vormittag nicht. Vielmehr überwog die Meinung, dass den verantwortlichen Seiten die Bedeutung des Gebäudes nicht bewusst gewesen sei, und die Hoffnung, dass sich der Fehler noch ohne politische Schäden korrigieren ließe. Beispielsweise wird die große Otto-Bartning-Ausstellung im kommenden Jahr nach dem Start in Berlin gleich in Karlsruhes „Städtischer Galerie“ gezeigt, und da könne der Abriss dieses bedeutenden Originals hier vor Ort zur medialen Peinlichkeit werden.

Weinbrenners Gernsbach …

… lautete das Motto unserer Führungen zum Tag des Offenen Denkmals in der Murgtalstadt am vergangenen Sonntag. Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Stadtgeschichte und den kommunalen Stellen war hervorragend, das Interesse gewaltig, wovon die BIlder einen kleinen Eindruck geben sollen. Außerdem haben wir für die Stadt ein neues Faltblatt „Weinbrenners Gernsbach“ erarbeitet, das pünktlich zu diesem Anlaß vorgestellt wurde. (Bilder: 2x Meier, 2x Schneid-Horn)

Tag des offenen Denkmals Gernsbach
Tag des offenen Denkmals Gernsbach
Tag des offenen Denkmals Gernsbach
Tag des offenen Denkmals Gernsbach

Die erste Weinbrenner-Ausstellung seit 40 Jahren?

In den Badischen Neuesten Nachrichten wurde die Leiterin der Städtischen Galerie Karlsruhes am 15. Juni mit der Aussage zitiert, daß die dort vor der Eröffnung stehende Ausstellung die erste in Karlsruhe seit vierzig Jahren sei. Nicht nur unsere Mitglieder, sondern auch viele andere an der Kulturgeschichte Interessierte wissen natürlich, daß dies nicht stimmt. Vielleicht erinnern sich nur noch wenige an die großartige, im eigenen Katalog verewigte Ausstellung der University of Pennsylvania „Friedrich Weinbrenner. Architect of Karlsruhe“, die 1987 im Prinz-Max-Palais gezeigt wurde. Hingegen liegt die 2008 am gleichen Ort durch die Literarische Gesellschaft veranstaltete Ausstellung „Friedrich Weinbrenners Weg nach Rom“, ebenfalls mit Katalog, nun doch nicht so lange zurück, als daß man sie vergessen hätte – wenn man sich eben für die kulturgeschichtlich bedeutendste Phase Badens interessiert. Die überregionale Presse jedenfalls hatte die vergleichsweise kleine Ausstellung zur Kenntnis genommen und in ihrer Qualität gewürdigt, einschließlich der Frankfurter Allgemeinen und der Neuen Zürcher Zeitung.

Hier liegt wohl das eigentliche Problem: Immer noch behandeln weite Kreise in Karlsruhe, gerade in Kulturpolitik und Presse, Friedrich Weinbrenner als Lokalphänomen, dem man sich allenfalls als eine Art Pflichtübung oder mangels Alternativen zuwendet. Dies muß sich endlich ändern, um der pseudo-globalen Provinzialität zu entkommen. Ob es sich mit der Ausstellung der Städtischen Galerie ändern wird, bleibt abzuwarten.

Rundbrief Mai 2015

Gründung der Arbeitsgruppe „Weinbrenner rekonstruieren“

Auf Anregung unseres neuen Mitglieds Peter Thoma rufen wir hiermit eine Arbeitsgruppe ins Leben, die sich mit der Frage beschäftigt, ob nicht verlorene Bauten Weinbrenners wiederaufzubauen seien, entweder in Gänze bei einem Total- verlust oder in Teilen bei teilweiser Zerstörung, und, wenn ja, in welcher Form dies geschehen könne – ein Thema, das im Gegensatz zu anderen Regionen in Baden und speziell in Karlsruhe und um Karlsruhe herum bislang kaum je angesprochen geschweige denn diskutiert wurde. Wir hatten bereits vor einiger Zeit in der Presse die Wiederversetzung und den Wiederaufbau des Vogelhauses der Markgräfin Amalie aus dem Schloßpark an den (annähernd) ursprünglichen Ort an der Kriegsstraße ins Gespräch gebracht. Auch regen sich in der Gesellschaft schon seit längerem Ansätze, ob nicht das „Römische Haus“ im Schloßpark von Bad Rotenfels auf dem noch erhaltenen Felsenkeller ein lohnendes und legitimes Objekt für eine Rekonstruktion darstellen könnte. Unser Mitglied Angelika Class hat bereits ein Modell anfertigen lassen und auf der Grundlage originaler Pläne neue Grund- und Aufrisse entwickelt.

Und schließlich böte das bevorstehende Weinbrenner-Jubiläumsjahr 2016 die passende Gelegenheit und den passenden Rahmen, diese Frage für Gebäude in anderen Orten zu stellen, vor allem in Karlsruhe. Hier tun sich freilich wesentlich mehr Möglichkeiten auf als in Bad Rotenfels, aber auch mehr Hindernisse und Bedenken. Deshalb wollen wir umgehend in die Diskussion einsteigen und könnten recht bald schon eine Tagung zu diesem Thema veranstalten.

Als Zeitrahmen wäre zum Beispiel ein Freitagnachmittag noch in diesem Spätsommer denkbar, eventuell verbunden mit der Jahresmitgliederversammlung, als Ort würde sich Weinbrenners Schloß Bad Rotenfels anbieten, das gut an den Öffentlichen Nah- und Straßenverkehr angebunden und von Karlsruhe wie vom Süden her gut erreichbar ist. Außerdem bietet uns die Landesakademie im Schloß einen sehr schönen, stilvollen Rahmen und bringt uns und diesem Thema viel Sympathie entgegen.

Über ein möglichst großes Interesse würden wir uns sehr freuen. Bitte wenden Sie sich baldmöglichst formlos an den Vorstand, wenn Sie sich in diese Arbeitsgruppe einbringen oder darüber informieren wollen. Jegliche Rückmeldungen und Beiträge zu diesem Experiment sind sehr willkommen.

Tag des Offenen Denkmals in Gernsbach

Der diesjährige Tag des Offenen Denkmals am 13. September wird in Gernsbach zum Anlaß genommen, in Führungen und anderen Anlässen an Weinbrenners Anteil an der malerischen Gestalt des Murgtalstädtchens zu erinnern, das wir auf der letzten Exkursion besuchten. Die damals angekündigte Kontaktaufnahme von Seiten der Stadt Gernsbach und des Arbeitskreises Stadtgeschichte ist mittlerweile erfolgt, und ich habe zugesagt, die offiziellen Führungen zu übernehmen.

In der Literatur findet sich zu dieser frühen Planung Weinbrenners, die parallel zu derjenigen für Karlsruhe einsetzte, kaum etwas. Dabei stellt sie sich als erhellendes Beispiel für aufgeklärten Städtebau und dessen Umsetzung dar. Dies hat meine erste Auswertung der erhaltenen Dokumente im Generallandesarchiv bestätigt. Es kann damit nicht zuletzt das Bild einer autoritären Planung von oben gegen den Willen der Bürger korrigiert werden, wie es stellenweise vor Ort kursiert. Dieser historische Fall wäre so interessant, daß er eine kleine Ausstellung und Begleitpublikation in jedem Fall lohnen würde. Auch hierzu sind Kommentare jederzeit willkommen.

Weinbrenner-Symposium 2016

Zum Jubiläum des 250. Geburtstags Friedrich Weinbrenners im kommenden Jahr will die Weinbrenner-Gesellschaft eine internationale Tagung durchführen, die Leben, Werk und Wirkung unseres Namensgebers unter einer möglichst groß angelegten Perspektive beleuchtet. Im Vordergrund sollen die Deutung und Bedeutung seiner Hinterlassenschaft stehen. Deshalb werden neben Darstellungen seiner eigenen Werke auch Querverbindungen zu denjenigen von Zeitgenossen sowie Erkundungen in sein Umfeld das Programm bereichern, insofern dies Weinbrenners Leistung erhellt.

Erste Vorstellungen zu dieser Veranstaltung bestehen bereits im Vorstand, aber es kann nur eine wirklich gute und bleibende Veranstaltung werden, wenn möglichst viel von dem in der Gesellschaft versammelten Wissen einfließt. Deshalb freuen wir uns sehr auf entsprechende Hinweise und Vorschläge.

Weinbrenners „Architektonisches Lehrbuch“; Mitglieder-Rabatt

In wenigen Tagen wird der Band 7 in der Reihe „Friedrich Weinbrenner und die Weinbrenner-Schule“ ausgeliefert, der sein „Architektonisches Lehrbuch“ enthält, d. h. die damals veröffentlichten drei Bände und in rekonstruierter Form der nie erschienene vierte Teil einschließlich der originalen Abbildungen. Entsprechend erreichte das Buch mit 544 Seiten einen gewichtigen Umfang. Statt des Verkaufspreises von 89,- Euro können die Mitglieder der Weinbrenner-Gesellschaft ihr Exemplar zu dem um 30% reduzierten Preis von 62,30 Euro erwerben.

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Unsere Murgtal-Exkursion in Bildern

Empfang am Gernsbacher Kornhaus durch Irene Schneid-Horn

Empfang am Gernsbacher Kornhaus durch Irene Schneid-Horn

Mittagessen auf der Sonnenterrasse von Schloß Eberstein

Mittagessen auf der Sonnenterrasse von Schloß Eberstein

Nachwuchs (Mitte)

Nachwuchs (Mitte)

Im Hof von Schloß Eberstein

Im Hof von Schloß Eberstein

Ganz oben im Turmzimmer

Ganz oben im Turmzimmer

Über den Dächern von Eberstein

Über den Dächern von Eberstein

Schwindelfrei

Schwindelfrei

Ebersteiner Jagdtrophäen

Ebersteiner Jagdtrophäen

Im Schloßpark Rotenfels

Im Schloßpark Rotenfels

Abschlußrunde

Abschlußrunde

Klartext zum Karlsruher Rathaus

Nein, es war nicht die Weinbrenner-Gesellschaft, die die rote Farbe des Rathauses vorgeschlagen oder auch nur gutgeheißen hätte. Eigentlich dachten wir, dies hätte sich mittlerweile herumgesprochen, und es ist hier ja auch bereits klargestellt worden. Aber offenbar machte die Fehlinformation schon wieder am kürzlichen Tag des Offenen Denkmals die Runde. Als wir in den Prozeß einstiegen, nachdem wir zuvor ein monatelang vergeblich nachfragten, bekräftigten sowohl die Vertreter der Denkmalpflege wie der Stadt, das Rathaus müsse wieder rot werden, da gäbe es jetzt nichts mehr zu ändern. Man stützte sich dabei auf die Tradition und eine zweifelhafte Interpretation der Quellen.

Im Gegenteil haben wir von Anfang an ein durchgängiges, leicht getöntes Hellgrau angeregt, das unserem wissenschaftlichen Stand entspricht. Am Ortstermin hat allein unser Vorsitzender diese Meinung vor dem Oberbürgermeister und unter anderem auch der Denkmalpflege vertreten, während alle anderen schwiegen. Das Hochbauamt, bei dem wir offenes Gehör fanden, hatte wohl angesichts der engen Vorgaben keine andere Wahl mehr, als das Rot durchzuziehen, nun allerdings einheitlich über die gesamte Fassade, wie es in der Tat Weinbrenners Ideal entspricht.

Noch einmal in aller Deutlichkeit: Wer behauptet, die Weinbrenner-Gesellschaft sei für das Rot am Karlsruher Rathaus verantwortlich, ist schlecht informiert oder will bewußt die Verantwortung für eigenes Versagen auf einen Sündenbock abschieben. Dazu aber mögen wir nicht den Kopf herhalten.

Pressemitteilung der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft zur Jahresversammlung 2013

Karlsruhe entsorgt die eigene Geschichte
Weinbrenner-Gesellschaft kritisiert den Umgang mit dem kulturellen Erbe

Formalia traten in den Hintergrund, als sich die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft zu ihrer Jahresversammlung im Fachbereich Baugeschichte am KIT traf. Viel Gesprächsbedarf hatte sich in den zurückliegenden Monaten angestaut, und die Eindrücke waren noch frisch, wie jüngst am Karlsruher Marktplatz für den Bau der „U-Strab“ einige der wichtigsten und letzten originalen Zeugnisse der Geschichte verschwunden sind.

„Während gerade überlegt wird, wie man zur 300-Jahr-Feier Karlsruhes Stadtgeschichte ins rechte Licht rückt, werden am Marktplatz zentrale Bausteine dieser Geschichte weggebaggert. Das ist schizophren und barbarisch.“ So faßt Ulrich Maximilian Schumann als Präsident der Gesellschaft die Verärgerung ihrer Mitglieder zusammen.

Tatsächlich wurden innerhalb weniger Tage die Fundamente der kleeblattförmigen Konkordienkirche und das untere Becken von Weinbrenners Ludwigsbrunnen abgeräumt. Die handwerklich zugehauenen Sandsteinblöcke des Brunnens werden später durch Betonteile ersetzt, einzelne Brocken aus dem Bauschutt der Gründungskirche Karlsruhes vielleicht einmal in der U-Bahn-Station ausgestellt, wie die KASIG andeutete. Schumann hält dagegen: „In anderen Städten würde man die wichtigen Dokumente der eigenen Gründung bewahren und zugänglich machen, vor allem, wenn sonst kaum noch originale Substanz erhalten ist.“

Die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft kritisiert insbesondere die städtische Informationspolitik. Es zeigt sich immer wieder, daß viele Menschen trotz des immensen Werbe-Budgets vor der Abstimmung ungenügend aufgeklärt wurden. Kaum jemand war sich bewußt, daß am Marktplatz durch einen Friedhof mit den noch verbliebenen Knochen gebohrt, Stadtgeschichte unwiederbringlich zerstört und das vertraute Stadtbild für immer verändert würden. Jetzt, da am Durlacher Tor und Kronenplatz die ersten U-Bahn-Abgänge sichtbar werden, erhält die Gesellschaft besorgte Anrufe, daß die massiven Betonmauern den Stadtraum verengen und das Stadtbild verstellen. Dasselbe steht dem Marktplatz bevor, wo die Abgänge asymmetrisch angeordnet werden und das historische Ensemble, das immer auf Symmetrie beruhte, aus dem Gleichgewicht bringen wird.

Hier aber wäre noch Zeit, im Interesse des öffentlichen Raums nachzubessern und wenigstens die Betonbarrieren durch transparente Gitter zu ersetzen. Die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft appelliert an die Stadtverwaltung, einzuschreiten und in der Abstimmung der Interessen stärker ihre Verantwortung für das kulturelle Erbe wahrzunehmen.

Auf drastische Veränderungen des gewohnten Bildes müssen sich die Karlsruher auch an anderen Orten einstellen, beispielsweise am Karlstor, wenn dort erst der Abluftschacht der untertunnelten Kriegsstraße steht. Mit fünf Metern Breite und neun Metern Höhe und mit seiner trivialen Funktionalität wird er vor allem das wertvolle Weltziensche Haus der Weinbrenner-Zeit wörtlich ‚in den Schatten stellen’.

Die Weinbrenner-Gesellschaft und die Renovierung des Karlsruher Rathauses

Diese war in den letzten Wochen immer wieder ein Gesprächsthema, insbesondere die Frage, welche Farbe eines von Friedrich Weinbrenners Hauptwerken in der nächsten Zukunft haben würde, und auch die Beteiligung der Weinbrenner-Gesellschaft kam dabei zur Sprache. Gleichzeitig ist das Ergebnis, wie es beim Probeanstrich enthüllt und der Presse vorgestellt wurde, umstritten – so wie dies jedes andere Ergebnis auch gewesen wäre. Und tatsächlich entspricht der vergleichsweise dunkle Ton, abgeleitet vom hiesigen roten Sandstein, nicht dem, was wir als typisches Farbenschema identifiziert haben, vor allem auf unserer Tagung „Farbe und Material bei Friedrich Weinbrenner“ im vergangenen Sommer. Danach hätten wir einen hellgrauen, durch natürliche Zuschlagstoffe getönten Anstrich erwartet und bevorzugt, vergleichbar der Thomaskirche im nahen Kleinsteinbach.

Das Ergebnis ist sichtbar anders und doch auch, weniger sichtbar, ein Erfolg. Als die Weinbrenner-Gesellschaft in die Farbfindung des Karlsruher Rathauses einbezogen wurden, waren einige Weichen schon gestellt. Längst existierte eine politische Vorgabe, daß alles werden sollte wie zuvor. Immerhin basierte die bisherige Fassung auf fachlichen Diskussionen der frühen 80er Jahre und einer originalen Rezeptur für die Farbigkeit, die jedoch erstens aus den Unterlagen des Münzgebäudes stammt und zweitens große Auslegungsspielräume läßt. Zudem mußten Fassadenrenovierung und Anstrich schnell, genauer bis Ende dieses Jahres, über die Bühne gehen, weil dann die U-Strab-Baustelle den Marktplatz restlos besetzen und alle anderen Arbeiten unmöglich machen wird.

Monatelang hatten wir bei der oberen Denkmalpflege unser Interesse angemeldet, mitreden und uns einbringen zu wollen. Aber erst ein persönlicher Besuch im Hochbauamt der Stadt Karlsruhe brachte den Stein ins Rollen. Dort hatte man ein offenes Ohr für den Austausch mit unserem Wissen, unseren Argumenten und Positionen. Es waren dort auch bereits Entwürfe erarbeitet worden, wie man die politischen und denkmalpflegerischen Vorgaben in ein aktuelles und professionelles Erscheinungsbild übersetzen könnte. Doch konnte keiner von diesen überzeugen, überall stimmte etwas nicht. Da kam eine zweite wichtige Erkenntnis unserer Forschungen gerade recht, nämlich daß eine Fassade Weinbrenners nicht zweifarbig gewesen sein konnte, denn wenn ihm etwas wichtig war, dann die Geschlossenheit der Form, in der sich das komplizierte Innenleben wie in einem Relief abzeichnete. Hierin lag sein wesentlicher Beitrag zur Architekturtheorie, und dies konnte hier am Karlsruher Rathaus nicht anders sein, dessen Fertigstellung er noch persönlich überwachte.

Diese Erkenntnis floß ein und ließ die hellen „Hosenträger“ verschwinden, die das Gebäude so auffällig in Wandfläche und gliedernde Elemente aufgeteilt haben und auch dies nicht konsequent und logisch. Demgegenüber ist es ein Fortschritt und Erfolg, daß sich das Rathaus in Zukunft als ein geschlossener Baukörper präsentieren wird. Fraglich bleibt die Farbe selbst, die dunkel und auf den ersten Blick ähnlich der bisherigen erscheinen mag, aber doch eine ganz andere ist, denn in Ton und Material ist sie weniger synthetisch und modisch als mineralisch und erdig und paßt in dieser Hinsicht besser in Weinbrenners Zeit und Farbenwelt als die alte.

Am Marktplatz macht sie das Rathaus wieder zu einem Solitär. Ein helles, leicht getöntes Grau hätte hier besser eine Einheit herstellen können, wenn auch den Kontrast zum Turm verstärkt. Diesen nach über einem Jahrhundert zu verputzen und dann gleichfalls hell zu streichen, wie auch vorgeschlagen wurde, ist eine zu entfernte Wunschvorstellung, die in Karlsruhe, wo keine Rekonstruktionsdiskussionen geführt werden, noch utopischer erscheinen muß als anderswo.

Letztlich waren weniger die bestehenden Vorgaben der Denkmalpflege und der Politik ein Hindernis auf dem Weg zum erhofften hellen Farbton als die vage Quellenlage selbst. Denn wir haben den negativen Untersuchungsbefunden und der Existenz einer Rezeptur nichts Konkretes entgegenzusetzen, schon gar nicht in der kurzen Zeit.

Je tiefer man in die Geschichte einsteigt, umso mehr Fragen stellen sich. Die historische Farbigkeit des Rathauses wiederherzustellen, wäre die erste Wahl, ist aber angesichts fehlender Quellen und Befunde unmöglich. Selbst Vergleichsbeispiele sind äußerst selten. Die Thomaskirche in Kleinsteinbach gilt unter Fachleuten als Beispiel für die echte Weinbrenner-Farbe, aber zugleich auch als einziges. Dort fand man Farbreste, ähnlich wie an Karlsruhes Evangelischer Stadtkirche, wo man dies jedoch vor wenigen Jahren nicht nutzte. Aber Befunde von Kleinsteinbach oder auch nur vom Bauwerk vis-à-vis auf das Rathaus zu übertragen, wäre gewiß weniger historisch, als von dessen Situation selbst auszugehen. Darin jedoch mußte der Anspruch hinter der laufenden Renovierung liegen. Es ist eben ein Unterschied, ob man eine wissenschaftliche Hypothese aufstellt oder ob man konkrete Arbeitsanweisungen geben muß. Dies gilt es anzuerkennen.

Auch Weinbrenner selbst ist hierbei nicht hilfreich. Während er in seinem „Architektonischen Lehrbuch“ nur einmal strahlendes Weiß verbietet und an einer Stelle „gebrochene Farben, als grau, grauroth, graugelb etc.“ empfiehlt, es ansonsten auffällig vermeidet, konkrete Farben zu nennen, findet sich hierin gleich mehrfach dieselbe Aussage, „dass die Schönheit einer Sache nur in ihrer Form bestehe und dass desshalb Farben und Material nichts Wesentliches zur Schönheit beitragen, dabei aber geschickt sind, den Reiz des Schönen zu erheben, so wie von der andern Seite Licht und Schatten zur gehörigen Distinction der Formen gehört.“ Welchen Farbton ein Gebäude letzlich trägt, war für Friedrich Weinbrenner von Bedeutung, aber von zweitrangiger gegenüber der Form. (Natürlich gab es auch hier einen Leserbriefschreiber, der dies anzweifelte und das Lehrbuch besser zu kennen glaubt als jemand, der diesem seine Habilitationsschrift widmete.) Wir können daher nicht einmal ausschließen, daß das Rathaus ursprünglich wirklich rot gestrichen war.

Allen Beteiligten ist klar, daß das Ergebnis einen Kompromiß darstellt, aber eben auch einen Fortschritt. Hierzu hat die Weinbrenner-Gesellschaft beigetragen und sich als ernstzunehmender Partner erwiesen. Das ist auch für uns ein Erfolg, gerade auch im Hinblick auf folgende Fälle. Eine Konsequenz aber muß in jedem Fall lauten, weiter zu forschen und darauf zu drängen, daß ein Farbkonzept für die Bauten Weinbrenners aufgestellt wird.