Das architektonische Lehrbuch

Neben der Leitung seines Architekturbüros, seiner Bauschule und der badischen Bauverwaltung fand Friedrich Weinbrenner immer wieder auch Zeit, seine Gedanken zur Architektur und mehr oder weniger verwandten Themen schriftlich niederzulegen. Die meisten von ihnen veröffentlichte er im damals führenden Literaturverlag Johann Friedrich Cottas. Den Kontakt hatte der politische Schriftsteller Ernst Ludwig Posselt hergestellt. Cotta wurde zum Freund und sogar Bauherren Weinbrenners.

Nach Artikeln im „Morgenblatt für gebildete Stände“ und zwei Schriften über Theaterbau und Säulenordnungen begann 1810 das Unternehmen eines umfassenden Lehrbuchs, das für die zeitgemäße Architektenausbildung bislang nicht zur Verfügung stand. Weinbrenner zeigt sich hier von der von Frankreich ausgehenden polytechnischen Idee und der „darstellen Geometrie“ beeindruckt, insbesondere in den ersten beiden Bänden, die sich in eine »Geometrische Zeichnungslehre, Licht- und Schattenlehre« und eine »Perspectivische Zeichnungslehre« aufteilen. Der dritte Band beschäftigt sich mit allgemeinen Grundsätzen der Gestaltung. Ein vierter Band über die Konstruktion in Holz und Stein blieb in der Vorbereitung stecken. Hierüber zerbrach die Zusammenarbeit mit dem Verleger Cotta.

Zu Entstehung, Inhalt und Rezeption von Weinbrenners „Architektonischem Lehrbuch“ siehe ausführlich: Ulrich Maximilian Schumann, Friedrich Weinbrenner. Klassizismus und »praktische Ästhetik«, Berlin/München 2010.


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