Die Bauschule

Friedrich Weinbrenner war als Architekt weitgehend Autodidakt. Der gelernte Zimmermann bildete sich durch Reisen, den Besuch einzelner akademischer Kurse und vor allem den Austausch mit Kollegen weiter. Bereits während seiner Studienzeit in Rom von 1792 bis 1797 unterrichtete er jedoch selbst bereits andere Künstler und auch Laien, insbesondere im Zeichnen, in der Perspektive und in der Rekonstruktion antiker Vorbilder. Nach seiner Rückkehr und Bestellung in die badische Baudirektion drängte es ihn sofort, sein erworbenes Wissen weiterzugeben, nicht zuletzt zur Ausbildung des Nachwuchs und Besetzung der Stellen in der Bauverwaltung. Die Räume hierfür, genannt „das Bureau“, richtete er in seinem eigenen, 1801 fertiggestellten Haus am Ettlinger Tor in Karlsruhe ein, das zu diesem Zweck später um einen Anbau in den Garten hinein vergrößert wurde.

Die Inhalte lassen sich über sein dreibändiges, unvollendetes „Architektonisches Lehrbuch“ und über die schriftlichen und bildlichen Quellen von Schülern näherungsweise rekonstruieren. So wissen wir etwa, daß sein Lehrkonzept von der erst kurz zuvor gegründeten Pariser Ecole Polytechnique beeinflußt worden war und zugleich eigene Schwerpunkte setzte, die bisweilen ebenso unkonventionell wie unmittelbar anschaulich und zukunftsweisend waren. So verließen recht genau einhundert individuelle Architektenpersönlichkeiten die Karlsruher Bauschule, womit sie als die größte und erfolgreichste ihrer Zeit zu gelten hat. Schließlich bildete sie 1825, kurz vor Weinbrenners Tod, gemeinsam mit der Ingenieurschule des Kollegen Johann Gottfried Tulla die Grundlage für die erste polytechnische Schule in den deutschen Ländern.


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