Austausch in Neapel

Traditionell wird in Italien vergleichsweise viel über die deutschsprachige Kunst und Architektur der Zeit um 1800 geforscht. Auch natürlich, weil sich viele der Künstler in diesem Land aufhielten und die Kultur aufsaugten und in ihre eigenen Entwürfe einfließen ließen.
Andrea Maglio, der an der Universität von Neapel lehrt und forscht, hält dieses Interesse und die Erinnerung immer wieder in Büchern und Artikeln am Leben, und Friedrich Weinbrenner und seine Schüler spielen dabei regelmäßig eine feste Rolle.
Der Kontakt zur Weinbrenner-Gesellschaft besteht schon seit mehreren Jahren, und so traf ihn der Vorsitzende Ulrich Maximilian Schumann am Osterwochenende an Ort und Stelle, um Informationen und auch Schriften auszutauschen. Beispielsweise ist kürzlich ein anspruchsvoller Sammelband über die Rezeption Pompejis erschienen und wird in Neapel nun eine Ausstellung über den Bildhauer Thorvaldsen vorbereitet, den auch Weinbrenner gut kannte.
Und natürlich gibt es auch in dieser Stadt originale Kultur des Klassizismus zu erleben, wie in der Villa Pignatelli, die im Jahr von Weinbrenners Tod, 1826, nach Plänen des jungen Pietro Valente begonnen wurde. Das Äußere hat damals Kritik erregt, vor allem wegen der ungeschickten Überschneidung der verschiedenen Säulenordnungen, und gerade Friedrich Weinbrenner hätte von seinem Standpunkt aus noch einiges mehr auszusetzen gefunden. Aber es haben sich doch im Innern auch eindrucksvolle Räume aus der Entstehungszeit erhalten, wie ein Kabinett mit Wanddekorationen nach Vorbildern aus dem nahen Pompeji (siehe Bilder).
Eine feste Größe im italienischen Klassizismus würdigt das Archäologische Nationalmuseum zur Zeit, den Bildhauer Antonio Canova, von dem einige Werke antiken Statuen gegenübergestellt werden. Auch seine Skulpturen sind oft als akademisch kritisiert worden; hier in der Ausstellung wird zugleich aber deutlich, vor allem durch seine eigenen Modelle von der Gesamtsituation, dass sie immer zusammen mit dem Raum um sie herum gesehen werden und nicht für sich alleine stehen sollten.

      

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