Peinlichen Imageschaden von Karlsruhe abwenden

Bericht vom Ortstermin am Franz-Rohde-Haus

Nicht nur unter den Anwohnern formiert sich zunehmend Kritik gegen die Neubaupläne der Evangelischen Stadtmission in der Karlsruher Dragonerstraße, auch in Fachkreisen wächst die Sorge um den Verlust des denkmalgeschützten Franz-Rohde-Hauses und die Zerstörung eines weitgehend intakten Ensembles. Gerade erschien hierüber ein langer, für Karlsruhe wenig schmeichelhafter Artikel auf der Internetplattform „Baunetz“, weitere Wortmeldungen sollen folgen.

Ortstermin Franz-Rohde-Haus

Ortstermin Franz-Rohde-Haus

Am Mittwoch trafen sich vor Ort Vertreter der Anwohner, der Architektenkammer, der Kult-Gemeinderatsfraktion und der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft, um sich gegenseitig über Hintergründe und Ansichten auszutauschen. Rund dreißig Personen kamen zusammen.

Warum sich nun auch die in Karlsruhe beheimatete, aber internationale Weinbrenner-Gesellschaft für das Objekt aus den 1930er Jahren einsetzt, musste ihr Vorsitzender Ulrich Maximilian Schumann gleich zu Beginn erklären. Er schilderte es als anschaulichen Baustein in der Karlsruhe prägenden, bis heute lebendigen Weinbrenner-Tradition. Otto Bartning sei zwar vor allem als Architekt des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit bekannt, am Franz-Rohde-Haus aber trete seine lebenslange Begeisterung für die sachliche Eleganz des badischen Klassizisten offen zutage. Außerdem befürchte man, dass der leichtfertige Umgang mit den Resten der bedeutenden Baugeschichte Karlsruhes weiter einreißen und damit auch die Bauten Weinbrenners noch stärker in ihrer Substanz bedrohen würde, als dies heute bereits der Fall sei.

In der fast zweistündigen Diskussion kamen die verschiedenen Aspekte des Falls zur Sprache – neben den künstlerischen vor allem politische, rechtliche, planerische, sogar theologische. Die Vertreter der Kult-Fraktion beleuchteten aus ihrer Sicht, wie die Zustimmung der Stadt zum Abriss und ihre eigene Entscheidung zustande kamen, im Gemeinderat für einen Grundstückstausch und die Erhaltung des Gebäudes zu werben. Die Architektenschaft steuerte neben wertvollen Hinweisen zum Verfahren insbesondere Alternativen zu radikalem Abriss und Neubau bei. Die Anwesenden, die das Franz-Rohde-Haus von innen kennen, bescheinigten dem knapp achtzig Jahre alten Gebäude einen ansehnlichen und soliden Zustand. Eine Zustimmung zu den Plänen der Evangelischen Stadtmission fand sich an diesem Vormittag nicht. Vielmehr überwog die Meinung, dass den verantwortlichen Seiten die Bedeutung des Gebäudes nicht bewusst gewesen sei, und die Hoffnung, dass sich der Fehler noch ohne politische Schäden korrigieren ließe. Beispielsweise wird die große Otto-Bartning-Ausstellung im kommenden Jahr nach dem Start in Berlin gleich in Karlsruhes „Städtischer Galerie“ gezeigt, und da könne der Abriss dieses bedeutenden Originals hier vor Ort zur medialen Peinlichkeit werden.


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