Weinbrenner-Schule im Kraichgau, 5: Adelshofen

Von allen Kirchen des Weinbrenner-Schülers Karl August Schwarz ist dies sicher die ungewöhnlichste. St. Nazarius (1830–35) steht im malerisch in die Hügel eingebetteten Adelshofen, heute ein Ortsteil von Eppingen. Im Davorstehen fällt zuerst die mächtige, überbreite Fassade auf, die hinter dem monumentalen Giebel je zwei Seitenschiffe links und rechts des Turms vermuten lässt. Als zweites beeindruckt das aufwendig gefertigte,steinerne Mauerwerk, aus dem das feine Relief wirkungsvoll hervortritt. Damit erinnert die Oberfläche an antike römische Bauten oder solche aus der Renaissance. Anders der Turm selbst; hier stapelte Schwarz unterschiedliche Fensterformen so abwechslungsreich übereinander, wie es Weinbrenner am Gefängnisturm am Karlsruher Rathaus tat, nur eben nicht an der Vorder-, sondern der Rückseite. Nicht einmal der Eingang liegt im Turm, sondern seitlich davon: einmal links, einmal rechts. Das könnte uns beim aufmerksamen Betrachten schon eine Vorahnung davon geben, was uns erwartet, wenn man eintritt ¬– oder zunächst um das Gebäude herumgeht. Denn hinter den Kanten der Fassade liegt keine Längs- und keine Rückseite, sondern nur eine durchgehende Rundung, die im Bogen zur anderen Kante zurückführt, ein Halbrund. Etwas ähnliches kennen wir vom antiken römischen Theater, auch von manchen abstrakten Grundrissübungen in Traktaten, aber von einer gebauten Kirche?
Dabei erzeugt es ganz real einen Raum, der zwar ungewöhnlich, aber überzeugend ist. Es könnte auf den ersten Blick ein Theater sein, ein Zirkus, ein Hörsaal, aber für eine Kirche eignet es sich ebenso gut. Die unteren Ränge kommunizieren direkt mit dem Altar, die oberen mit der Kanzel.
Entsprechend neu und anders musste der Dachstuhl konstruiert werden. Viele originale Details sind hier noch erhalten und verstärken die innere Logik dieses ungewöhnlichen Gebäudes. Eigenwillig führte Schwarz hier Weinbrenners Parteinahme gegen «sklavische Nachahmung» und für die Freiheit in der Anwendung architektonischer Regeln weiter.

     


Nach oben