Zur Wiedervorlage: Leserbrief, ungedruckt

Aus aktuellem Anlass – oder auch: weil er so aktuell ist wie zuvor – veröffentlichen wir hier einen Leserbrief, den unser Vorsitzender im Namen der Weinbrenner-Gesellschaft vor einem guten Vierteljahr, am 24. Januar, an die Redaktion der BNN schickte, der aber nicht abgedruckt wurde. Auslöser war ein Artikel zum Karlsruher Marktplatz, der unten anhängt. Da mit einer Veröffentlichung nicht mehr zu rechnen ist, der Unmut gegen die Marktplatzplanungen aber nicht abebbt, wollen wir den offenen Brief in die Diskussion werfen, die in den kommenden Tagen und Wochen zunehmen dürfte.

Mehr oder weniger Weinbrenner? Mehr Karlsruhe, mehr Vernunft
Mit Interesse hat die Weinbrenner-Gesellschaft den Bericht der BNN vom 22. Januar 2018 zur Kenntnis genommen und will eine Antwort auf die darin aufgeworfene Frage “Mehr oder weniger Weinbrenner?” geben. Sie muss natürlich lauten: Mehr Weinbrenner – aber nicht um Weinbrenner willen, sondern um Karlsruhe willen. Denn es geht nicht um Geschmack oder rückwärts gegen vorwärts, wie oft unterstellt, sondern um einen ganz konkreten Ort, der in jahrzehntelangem Ringen – nicht nur Weinbrenners – um die endgültige Form zu dem geworden war, was er trotz allem immer noch ist: die schöne, nebenbei weltberühmte, in sich erstaunlich geschlossene und gut funktionierende Mitte Karlsruhes.
Wenn es nun immer mehr Menschen auffällt, dass hier mit Gewalt und ohne Not etwas Bewährtes und Vertrautes verschlimmbessert werden soll, weil man ihm einen modernen Stempel aufdrücken will, dann ist das spät, aber deshalb nicht falsch. Ein ökologisches Desaster (Aufheizung) durch ein anderes (Wasserverschwendung) austreiben zu wollen, kann jedenfalls kein Weg für die Zukunft sein. Was für ein Krampf!
Umso stärker drängt sich die Idee auf, die wir schon einmal präsentierten und über die die BNN am 13. Juni 2017 berichteten. Anstatt das Stadtkunstwerk Stück für Stück abzubauen, sollte es um ein zentrales Stück fertiggebaut werden, wenigstens teilweise und zunächst auf Zeit. Wir haben vorgeschlagen, die niedrigen Boutiquen, die Weinbrenner in der Mitte des Platzes rings um die Pyramide vorsah, aber nie realisieren durfte, temporär und partiell in der Süd-Ost-Ecke des Marktplatzes mit Sponsorenmitteln zu errichten. Leider wurde die Idee von der Stadt Karlsruhe mit dem Hinweis auf andere Verwendungen dieses Bereiches abgelehnt.
Nun zeigt sich also, dass diese hölzernen Bauten dem Platz nicht nur seinen inneren Maßstab, sondern auch ein angenehmes Mikroklima und die willkommene Verschattung geben könnten. Die nach innen zur Pyramide hin offenen Umgänge der Boutiquen würden einen intimen Platz mit der Anmutung eines Marktes bilden, in den Arkaden ergäben sich schattige Bereiche zum Aufenthalt, zum Kaffeetrinken, zum Entspannen. Die Ruhe könnte Wunder wirken.
Denn mit kühlem Kopf und klarem Verstand wirkt, je unsinniger die aktuellen Projekte erscheinen, Weinbrenners Gesamtkonzept für den Marktplatz umso sinnvoller, nun also auch unter ökologischen Gesichtspunkten.
Für die Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft
Ulrich Maximilian Schumann
Präsident

220118 BNN 1220118 BNN 2


Nach oben