Sein Leben


Büste Friedrich Weinbrenners um 1826

Büste Friedrich Weinbrenners um 1826

 

Vorauszusehen war eine solche Karriere nicht, als Friedrich Weinbrenner 1766 in Karlsruhe geboren wurde, aber doch auch ein Musterfall in einer Zeit, für die Mobilität zum Ideal wurde. Als Sohn einer Karlsruher Zimmermannsfamilie sollte er selbst das Handwerk erlernen und ausüben. Doch entschied er sich nach dem frühen Tod seiner Eltern, Architektur zu „studieren“, was bedeutete, an anderen Orten Akademien und Lehrerfiguren aufzusuchen.

Dies tat Friedrich Weinbrenner ausgiebig; er reiste viel und begegnete Bauten und Menschen, die sein Bild von einer aufgeklärten Kultur mitprägten. Bereits in Rom, wo er fünf Jahre blieb, wurde er zu einer zentralen Figur in der dort versammelten deutschsprachigen und sogar der internationalen Künstlergemeinde.

 


Aloys Schreiber „Denkmal der Freundschaft“

Aloys Schreiber „Denkmal der Freundschaft“

 

Friedrich Weinbrenner erzählte selbst sein Leben in den Memoiren, die unter dem Titel „Denkwürdigkeiten“ erstmals 1829, drei Jahre nach seinem Tod, sowie 1920 und 1958 in weiteren Auflagen erschienen. Doch enden die Aufzeichnungen, die ausführlich seine Jugend und die Zeit des Reisens und Lernens behandeln, im Jahr 1797 mit seiner Rückkehr aus Rom und dem Eintritt in die badische Bauverwaltung.

 

Friedrich Weinbrenner mit Schülern

Friedrich Weinbrenner mit Schülern

 

Was er an vorzeigbaren Ausweisen seines Könnens mitbrachte, beeindruckte in Karlsruhe und verwirrte zugleich in der Neuartigkeit und Radikalität. Das staatliche badische Bauwesen leitete Wilhelm Jeremias Müller, der Vollender des barocken Stadtschlosses. Weinbrenner orientierte sich anderweitig. 1799 zog er nach Straßburg um und wurde französischer Bürger, realisierte dort auch Denkmäler für Generäle des revolutionären Frankreichs. 1800 folgte er einem Ruf als Leiter der Bauverwaltung nach Hannover und baute für das Königreich einige öffentliche Gebäude.

 

Studienblatt eines Schülers mit Tuscheflecken und Korrekturen

Studienblatt eines Schülers mit Tuscheflecken und Korrekturen

 

Nach Müllers Tod 1801 setzte sich das Verständnis für die Qualität von Weinbrenners Arbeit durch; insbesondere bemühte sich die Reichsgräfin von Hochberg, Markgraf Karl Friedrichs zweite Frau, um seine Rückkehr und Verpflichtung als neuer Baudirektor. Das folgende Vierteljahrhundert in dieser Position, bis Weinbrenner 1826 in Karlsruhe starb, war im Wesentlichen ausgefüllt vom Aufbau einer „Bauschule“ und einer modernen Bauverwaltung, von zahlreichen großen und kleinen Projekten sowie der Veröffentlichung seines „Architektonischen Lehrbuchs“. Doch auch in dieser Zeit nutzte er die Gelegenheiten für Reisen und auswärtige Aufträge, und noch 1814 wollte ihn Sachsen als Leiter des Bauwesens im Staat und an der Dresdener Akademie abwerben.


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